Entfalten Sie Ihr Potenzial: Ein Interview mit einem Champion auf dem Eis - Viktor Thorup
Eine Sekunde. Mehr trennte Viktor Thorup nicht von seinem Traum, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Doch heute zeigt sein Weg im Eisschnelllauf vom knappen Verpassen zum zweifachen Olympiateilnehmer, wie aus Rückschlägen außergewöhnliche Erfolge werden können.
In unserer Reihe „Entfalten Sie Ihr Potenzial“ tauchen wir in Viktors Geschichte ein, die Hingabe, Entschlossenheit und echte Liebe zum Sport widerspiegelt.
Lesen Sie weiter und entdecken Sie, was einen Weltklasse-Athleten ausmacht.
1. Erzählen Sie uns, wer Viktor Thorup ist.
Ich bin ein Eisschnellläufer, der als Inlineskater aufgewachsen ist und erst mit 18 Jahren aufs Eis gewechselt hat. Als ich 2014 noch neu auf dem Eis war, habe ich die Qualifikation für die Olympischen Spiele im 5.000-m-Rennen nur um eine Sekunde verpasst. Dieser Moment hat mir gezeigt, wie wichtig Vorbereitung ist.
Ich habe mir versprochen, niemals mit Bedauern zurückzublicken. Im Laufe der Jahre habe ich an jedem Detail gefeilt, einen Abschluss in Gesundheit und Ernährung angestrebt und mich voll und ganz meinem Sport verschrieben. Diese Hingabe hat mich zu zwei Olympischen Winterspielen geführt, bei denen ich Dänemark vertreten und einen fünften Platz belegt habe, und jetzt bereite ich mich auf meine dritten Olympischen Winterspiele in rund 450 Tagen vor.
2. Was hat Sie dazu inspiriert, die Olympischen Spiele anzustreben?
Der entscheidende Moment kam bei meinen ersten Olympischen Spielen. Ich beendete mein Rennen und war begeistert von meinem fünften Platz. Am meisten ist mir aber im Gedächtnis geblieben, wie ich in die Ränge blickte und meine Eltern in Tränen sah.
In Dänemark ist es kein üblicher Weg, Profisportler zu werden – für die meisten ist es eher ein Hobby. Zu sehen, wie meine Eltern begriffen, dass ich aus meinem Traum eine Karriere machte, war unglaublich erfüllend. Es ging nicht nur um das Rennen, sondern darum, die Opfer zu rechtfertigen und zu beweisen, dass das Unmögliche erreichbar ist. Dieser Moment hat meine Liebe zum Sport und meine Motivation, immer weiter Grenzen zu verschieben, gefestigt.
3. Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt, und wie bringen Sie Ihr Privat- und Berufsleben in Balance?
Meine Frau und ich haben uns nach den Olympischen Spielen 2018 auf einer Eisbahn in den USA kennengelernt. Wir waren zwar beide bei den Olympischen Spielen – sie vertrat Russland –, doch unsere Wege kreuzten sich erst später. Es begann mit einem einfachen Gruß, als ich in den USA trainierte und sie gerade um die Eisbahn lief, und jetzt sind wir seit einigen Jahren glücklich verheiratet.
Berufs- und Privatleben als Sportler in Einklang zu bringen, hat seine Herausforderungen. Der Vorteil ist, dass wir die Routinen, Opfer und den Druck des anderen verstehen. Die Herausforderung ist jedoch, die Welt des Eislaufs von unserem Privatleben zu trennen. Wir haben daran gearbeitet, eine klare Grenze zwischen „Eisläufer Viktor und Sofia“ und „Ehemann Viktor und Ehefrau Sofia“ zu ziehen. Diese Unterscheidung war entscheidend, um die Harmonie zwischen uns zu bewahren.
4. Wie sieht Ihr typischer Tag bei der Vorbereitung auf einen Wettkampf aus?
Mein Tag beginnt morgens mit dem Eislaufen – eine meiner elf Trainingseinheiten pro Woche. Eine Stunde verbringe ich mit Aufwärmen, denn ich laufe in einer riesigen Tiefkühltruhe, in der es immer kalt ist. Die Einheiten auf dem Eis sind hochintensiv, aber relativ kurz, weil man dabei die Knie um 90° gebeugt hält und nicht so lange laufen kann, bevor einem die Muskeln explodieren.
Die Nachmittage wechseln zwischen langen Radtouren und Krafttraining mit Gewichten. Und besonders wenn die großen Wettkämpfe näher rücken, mache ich Testrennen, um ein Gefühl für den Wettkampf zu bekommen.
5. Wie erholen Sie sich nach intensiven Trainingseinheiten?
Erholung ist genauso entscheidend wie das Training. Mental bleibe ich im Training ruhig und konzentriere mich auf Fortschritt statt auf Perfektion. Ich versuche, mir im Training nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen, wie schnell ich laufe, sondern darüber, wie gut ich laufe, und stelle dabei Ernährung, Schlaf und Flüssigkeitszufuhr an die erste Stelle. Und vor allem das Tracking.
Ich habe erkannt, wie wichtig es ist, Messwerte zur Erholung wie Ruhepuls und Herzfrequenzvariabilität (HRV) zu verfolgen. Indem ich diese Zahlen im Blick behalte, kann ich meine Trainingsbelastung anpassen und Übertraining vermeiden. Dieser Ansatz hat für mich alles verändert, besonders bei hektischen Reiseplänen und beim Leben in verschiedenen Zeitzonen. Und das alles dank des Luna Ring.
6. Welche Rolle spielt Technologie in Ihrem Training und Ihrer Erholung? Wie kommt der Luna Ring ins Spiel?
Geräte, die Schlaf, HRV und Atemmuster erfassen, helfen mir zu verstehen, wie mein Körper auf das Training reagiert und wann es Zeit zum Ausruhen ist. Der Luna Ring zum Beispiel liefert wertvolle Einblicke in die Erholung und ermöglicht mir datengestützte Entscheidungen, damit ich immer meine beste Leistung abrufen kann.
Die Daten des Luna Ring sind das Erste, was ich morgens ansehe. Ich mache einen Screenshot der Daten und schicke ihn meinem Coach. Für die Planung meiner Trainingseinheiten nutze ich bestimmte Bereiche der HRV (Herzfrequenzvariabilität). Liegt meine HRV über 75, trainiere ich mit höherer Intensität; liegt sie zwischen 50 und 75, passe ich das Training entsprechend an. Liegt sie unter 50, gehe ich es ruhig an. Die HRV ist der wichtigste Messwert, mit dem ich einschätze, wie bereit ich für intensive Trainingseinheiten bin.
7. Gibt es neben der HRV weitere Messwerte, auf die Sie sich konzentrieren?
Auf jeden Fall. Der Ruhepuls ist besonders wichtig in Erholungswochen oder an freien Tagen. Ich schätze es, dass die Luna-App darauf hinweist, wenn etwas nicht zu stimmen scheint – nicht bei bloß normalen Schwankungen durch Dinge wie Kaffee oder einen wärmeren Raum, sondern wenn die Abweichung deutlich ist. Das hilft mir, vorsichtig zu bleiben, besonders wenn Wettkämpfe näher rücken.
8. Apropos Wettkämpfe: Was steht als Nächstes in Ihrem Kalender?
In weniger als einer Woche starte ich beim Weltcup. Es gibt jedes Jahr sechs Weltcups, bei denen die besten Eisschnellläuferinnen und -läufer der Welt zusammenkommen, um sich zu messen.
9. Was sind abseits des Leistungssports ein paar Dinge, die Sie gern tun?
Ich liebe es, auf Entdeckungstour zu gehen und kreativ zu sein. Meine Frau und ich versuchen, Routinen zu durchbrechen, indem wir an neuen Orten essen oder etwas sehen, das wir noch nicht gesehen haben. Ich mag Abenteuer – sowohl im Leben als auch beim Eislaufen. Außerdem teile ich gern Videos auf YouTube darüber, wie man Schlittschuh läuft. Ein paar davon habe ich in meiner Saisonpause gemacht.
10. Welchen Rat würden Sie angehenden Athletinnen und Athleten geben, die ihr Potenzial entfalten möchten?
Arbeiten Sie hart und haben Sie Spaß. Das klingt einfach, aber Spaß zu haben ist nicht immer leicht – besonders wenn man besser wird und immer mehr auf dem Spiel steht. Aber denken Sie daran, dass wir Sport treiben, weil es Spaß macht. Hart zu arbeiten liegt in Ihrer Hand, auch wenn die Ergebnisse nicht immer in Ihrem Sinne ausfallen. Wenn Sie sich anstrengen und den Prozess genießen, wird sich der Erfolg einstellen.

Vom Verpassen der Olympia-Qualifikation um eine einzige Sekunde bis zum zweifachen Olympiateilnehmer: Viktor Thorups Weg zeigt den Kern dessen, was es bedeutet, menschliches Potenzial zu entfalten. Seine Geschichte erinnert uns daran, dass es beim Erfolg nicht nur um natürliches Talent geht, sondern um Entschlossenheit, darum, das Beste aus der Technologie zu machen, und darum, die Balance zwischen Privat- und Berufsleben zu halten. Während er weitere Pokale und Medaillen holt und sich in der kommenden Zeit auf weitere Erfolge vorbereitet, inspiriert er weiterhin Athletinnen und Athleten weltweit.
Bleiben Sie dran für weitere Gespräche in unserer Reihe „Entfalten Sie Ihr Potenzial“, in der wir mit Athletinnen und Athleten sowie Fitnessbegeisterten rund um den Globus sprechen, die ihre Träume wahr machen.